Lactoferrin – Eisenmangel, Eisenüberschuss, Immunsystem, Darm – was noch? Teil 2

Lactoferrin – Liebe für die „Iron Lady“

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Von Darmdämmen und Dysbiosen

Brain FAQ Zusammenfassung:

  • Lactoferrin wirkt antibakteriell/bakteriostatisch durch mehrere Mechanismen
  • Lactoferrin bindet Eisen im Darm und hindert so viele potentiell negative Darmbakterien an ihrer Wucherung
  • Lactoferrin bindet sich an Lipopolysaccharide (LPS) und setzt das Immunsystem gezielter auf Endotoxine und Bakterien an
  • Lactoferrin bewirkt durch seine Bindung an LPS eine erhöhte Membran-Durchlässigkeit von gram-negativ Bakterien
  • Dosierungen mit bis zu etwa 3 Gramm/Tag über mehrere Wochen wurden ohne Nebenwirkungen durchgeführt
  • Nebenwirkungen sind möglicherweise denkbar bei langfristiger (mehrere Monate) und sehr hoher Dosierung
  • Natürliches (bovines) Lactoferrin hat vielversprechende Wirkungen. Apo-/Holo-Lactoferrin sind spezielle Formen (teuer), die laut Studien nur in sehr seltenen Fällen einen Vorteil zu bieten scheinen
  • Die Anwendungsbereiche sind enorm vielfältig, da es Einwirkungen auf den Darm, das Immunsystem, entzündliche Prozesse und den Eisenhaushalt haben kann

Lactoferrin und der Darm: Eiserne Balance

Im ersten Teil ging es mehr um das Immunsystem selbst und die Fähigkeiten von Lactoferrin, hier effektiv regulativ zu arbeiten. Zusätzlich wurde in Kontext gesetzt, dass Lactoferrin sowohl bei Eisen-Überschuss, als auch Eisenmangel zu einer Regulierung führen kann, ohne in das andere Extrem zu wechseln. Ein wenig hatte ich dabei schon verraten, dass Lactoferrin noch mehr kann – und zwar im Darm. Damit in einem Bereich, der seit einigen Jahren nun ziemlich im Mittelpunkt von Forschung und Konsum steht. Während viele Nahrungsergänzungsmittel (NEM) häufig fantastisch klingen, ist oft ein Haken bei der Sache. Kapseln und Inhalt überstehen nur schwer die Produktion (Qualität), werden im Magen bereits zum größten Teil zerstört, können im falschen Kontext schädlich wirken/Nebenwirkungen besitzen oder sind einfach unglaublich teuer. Die Sache bei Lactoferrin ist die – ich kann bis heute nicht behaupten, über solche Stolpersteine gefallen zu sein. Das muss ich sogar mit etwas Missmut zugeben – schließlich bin ich dogmatisch veranlagt, wenn es um NEM geht (immerhin bin ich ehrlich).

Kommen wir aber einmal zum Darm und der Wirkung von Lactoferrin auf dieses unglaubliche Körperrohr aus Zotten, Mukus und bakteriellem Badewasser.

Was hat unser Darm mit Eisen zu tun? Nun viele Nahrungsmittel (Fleisch, Milchprodukte, Fisch, einige Pilz- und Gemüsesorten etc.) enthalten Eisen in verschiedenen Formen. Damit dieses Eisen wohlverdaut in unseren Körper geschleust werden kann, muss nicht nur die Verdauung durch Mund, Speichel, Magen etc. funktionieren [1]. Vor allem die Aufnahme von Eisen durch den Darm selbst ist eine entscheidende Schnittstelle [1,2]. Funktionieren hier die Systeme nicht gut, bleibt das Eisen im Darm sitzen – und genau darüber freuen sich einige unserer so spannenden Mitbewohner [1,2,3]:

These data suggest that even modest oral supplements with highly soluble (non-physiological) iron, as typically used in low-income settings, could promote bacteremia by accelerating early phase bacterial growth prior to the induction of immune defenses. [Ach wie nett]

Problem dabei ist nur, dass Eisen insbesondere gram-negativen Bakterien (das sind die Bakterien, die gerne ungewünschte Toxine produzieren) gerne einmal einen Wachstumsschub verpassen kann [1]. Aber was will man machen? Der Mensch braucht Eisen, um gut zu funktionieren.

Lactoferrin kommt entweder direkt mit an ihm gebundenem Eisen in den Körper, oder bindet das Eisen im Darm selbst [1,2]. Dadurch, dass das Eisen an Lactoferrin gebunden durch andere Wege in den Körper gelangen kann, gebunden bleibt und nicht mit anderen Stoffen konkurrieren muss, gehen mikrobielle Untermieter im Darm weitestgehend leer aus [1,2,3]. Was mit allen Lebewesen passiert, wenn man ihnen einen essentiellen primären Nährstoff entzieht, gilt auch für unsere Bakterien. Während viele von uns inzwischen als „positiv“ angesehene Darmfloristen von Eisen unabhängig leben können, reduziert sich die Anzahl an potentiell pathogenen Bakterien [1,2,3]. Dass ich mit dieser Aussage nicht ganz einverstanden bin, folgt weiter unten. Dennoch scheint diese Aussage recht zutreffend zu sein und wird als eine der Begründungen in der Wissenschaft verwendet, um die Effekte von Lactoferrin als NEM zu erklären. Die Bakterien im Darm bekommen drastisch weniger Eisen. Das ist insbesondere interessant, wenn der Darm aus irgendwelchen Gründen beschädigt ist und eine reguläre Aufnahme bis jetzt verhindert wurde. Das ist Insbesondere interessant, wenn im Darm sowieso bereits eine Dysbiose festgestellt wurde.

Why is the rum gone?

Why is the rum gone?

Lactoferrin und Endotoxine: Andocken und ausknocken

Lactoferrin hat aber im Darm noch andere Eigenarten. Durch seine Struktur und Ladungsverteilung bindet sich Lactoferrin an LPS (Endotoxin) von gram-negativen Bakterien, markiert sie und stößt sich anschließend von dem Bakterium (wieder aufgrund seiner positiven Ladung) ab [1]. Wie als hätte Lactoferrin ein Loch in die Mauer der Bakterien gerissen, werden diese dadurch durchlässiger und anfälliger für Zerstörung. Gleichzeitig kommt es zu dem Effekt, der im ersten Teil beschrieben wurde. Lactoferrin verändert die Immunantwort der Abwehrkräfte und unterstützt das Immunsystem des Körpers dabei nicht nur Endotoxine zu zersetzen, sondern auch die bereits geschädigten gram-negativen Bakterien zu zerstören [1].

Das ist durchaus beeindruckend. Lipopolysaccharide sind mitunter ganz weit oben, wenn es um Probleme im Darm geht [1,2,3]. Als ich all das gelesen (und verstanden) hatte, wurde meine Skepsis doch ziemlich brüchig. In diesem Sinne sieht es zumindest nach Studien so aus, als könnte Lactoferrin recht effektiv im Darm wirken:

The non-pathogenic microflora ensures low pH, produces some vitamins, increases the activity of NK cells, T lymphocytes, and macrophages, promotes the production of protective immunoglobulins, and lowers the risk of allergies. In studies on mice, LF was found to be protective in bacteremia and endotoxemia. The protein stimulates the activity of reticulo-endothelial system cells and elicits myelopoiesis, thus increasing the killing and clearance of bacteria. In the model of experimental endotoxemia, LF inhibits the activity of pro-inflammatory cytokines, nitric oxide, and reactive forms of oxygen. [Nur um es nochmal gesagt zu haben]

Zum Thema Darm kommt noch ein schleimhäutiger Vorschlaghammer. Dass Lactoferrin die Darmschleimhaut entlastet ist alleine durch seine Fähigkeit nachvollziehbar, endotoxämische Belastungen im Darm zu reduzieren. Doch das ist nicht alles. In Studien wurde ebenfalls erkannt, dass die ausreichende Präsenz von Lactoferrin die Genexpression der Zellen der Darmwand insoweit beeinflusst, dass es zu einem Anstieg an BDNF, UCHL1, Aktivität von alkaliner Phosphatase und anderen Effekten kommt [1,2,3]. Was kompliziert klingt bedeutet mehr oder weniger, dass Lactoferrin die Stabilität und den Wiederaufbau der Darmschleimhaut diesen Studien zufolge unterstützt – via Gensequenz-Aktivierung.

Lactoferrin Wirkung

Lactoferrin, Stabilität und die Wirkung von Bruchstücken

Wie so oft kommt bei NEMs in mir die Frage auf, was eigentlich vor der Resorption im Darm mit den Kapseln passiert. Schließlich haben wir mitunter einen ziemlich sauren Magen, der doch einige Moleküle ziemlich effizient in Scheibchen schneiden kann. Dazu gibt es bei Lactoferrin zwei interessante Informationen:

Zum einen ist Lactoferrin erstaunlich stabil und kommt selbst ohne magensaftresistente Kapseln in großer Zahl durch den Magen durch (bedingt durch strukturelle Stabilität, Eisensättigung und Ladung) [1,2]. Zum anderen ist Lactoferrin jedoch auch in seinen gespaltenen Versionen (Lf(1-11),Lfcin,Lfampin) erstaunlich stark und aggressiv, wenn es um Bakterien geht [1,2]. Wenn beispielsweise etwa 70% des Lactoferrins im Darm ankommt, sind die restlichen 30% in ihren aufgespaltenen Versionen immer noch auf ihre Art und Weise für uns am Arbeiten [1,2,3]. Die Studien zu den abgespaltenen Bestandteilen von Lactoferrin sehen vielversprechend aus (antibakteriell, antiparasitär,antifungal,fettlöslich,binden sich ebenfalls an LPS). Von einer klaren Aussage dazu möchte ich mich jedoch vorerst distanzieren, da mir im Gesamten zu wenig Daten vorliegen.

Lactoferrin und Dosierung: Welche Menge, welche Form – was ist wichtig?

Teil meiner Arbeit war es auch die effektive Dosis und Einnahme-Form unter die Lupe zu nehmen. Während ich im ersten Teil bereits darauf hingewiesen hatte, dass selbst höhere Mengen über mehrere Wochen keine toxischen Effekte oder Nebenwirkungen zu bewirken schienen (außer vielleicht Durchfall), gibt es noch ein paar andere Punkte die hier relevant sind und vor allem auf ein paar persönliche Bedenken möchte ich eingehen.

Lactoferrin gibt es grob gesagt in drei verschiedenen Formen. Apo-Lactoferrin, Holo-Lactoferrin und natürliches Lactoferrin. Der Unterschied liegt dabei an der Eisensättigung. Während Apo eine künstliche Sonderform mit etwa 0% gebundenem Eisen ist, stellt Holo das genaue Gegenstück dar. Ebenfalls künstlich hergestellt hat es fast eine vollständige Sättigung mit Eisen [1,2].

Apo- und Holo-Lactoferrin sind aufgrund ihrer Herstellung in der Regel deutlich teurer. Macht es sie aber aus diesem Grund besser? Abgesehen von einigen wirklich wenigen Sonderfällen [1], möchte ich hier für einen Moment an den gesunden Menschenverstand appellieren. Warum sollte ich im Normalfall die Fähigkeit von Lactoferrin, Eisen reversibel zu binden, künstlich in irgendeiner Form beeinträchtigen? Vermutlich hat natürliches Lactoferrin mit gutem Grund eine Sättigung von etwa 20% mit Eisen [1,2]

Ein anderer Punkt, der vielleicht nicht beachtet wird ist die Reinheit des Produkts. Schließlich wäre ja sonst einfach möglich, Lactoferrin leicht durch die Nahrung zu erhalten (Milch von Kühen [1,2]). Ist die Quelle bereits stark mit Lipopolysacchariden besetzt, scheint jedoch die Wirkung von Lactoferrin als Mittel stark eingeschränkt (verbraucht) zu sein [1,2]. Wie gut, dass wir heutzutage überall reine, hochwertige und unverarbeitete Nahrungsmittel beziehen können! Dasselbe gilt natürlich auch für Lactoferrin als NEM. Qualität spielt bei der Reinheit durchaus eine wichtige Rolle.

Unwissenschaftliche Gedankengänge zu langfristigen Nebenwirkungen

Zu folgenden Bedenken habe ich bis jetzt noch keine Studien finden können. Daher bezeichne ich diese Äußerung als unwissenschaftlich, möchte aber darum bitten sich über diesen Punkt Gedanken zu machen. Lactoferrin scheint unglaublich vielversprechendes Potential in vielen Bereichen zu besitzen. Dennoch würde ich vor einer monatelangen oder gar jahrelangen Einnahme ohne Pause bei gleichzeitig hoher Dosierung abraten. Eine gesunde Darmflora zeichnet sich laut derzeitigem Wissensstand durch Variation und Balance aus [1]. Erhalten hier bestimmte Bakterienstämme die Oberhand, können gesundheitliche Beeinträchtigungen die Folge sein. Dabei ist es nicht relevant, ob diese Stämme generell als gutartig gesehen werden. Selbst normalerweise für den Menschen als harmlos geltende Stämme können im Übermaß vom Teamspieler zum Tyrannen mutieren (Beispiel Lactobacillus [1]). Blockieren wir also konsequent die Existenz von gewissen Bakterien durch Lactoferrin, kann es so möglicherweise (dies ist eine Spekulation) auf eine andere Art und Weise zu Dysbalancen im Darm kommen. Aus diesem Grund und da es hier meines Wissens keine Studien gibt, möchte ich auf diese Möglichkeit hinweisen. Hoffentlich ist mein Gedankengang nachvollziehbar. Sollte hier jemand eine Bestätigung oder einen Widerspruch finden, wäre ich durchaus dankbar. Nicht nur für mich persönlich, sondern auch für die Leser.

Eine Quelle möchte ich zum Schluss noch für Wissbegierige zitieren:

Together, these data suggest that iron chelation by lactoferrin is not the only explanation for its beneficial effects on mitochondrial function. In support, our transcriptomal network analysis showed regulated changes at RNA levels during cellular response to lactoferrin-exposure (unpublished data by Boldogh and colleagues). Finally, these data also support the significance of lactoferrin in the resolution or progression of the immune responses during the development of insult-induced metabolic imbalance, including the initial reactions to infectious assault, trauma, and injury. [Zauberwort Mitochondrien]

Der Kontext:

Ein Wort noch zu den Anwendungsgebieten. Lactoferrin zeigt vielversprechende Wirkungen bei der Regulierung des Immunsystems, der Darmflora, Darmschleimhaut, dem Eisenhaushalt, oxidativer Belastung, chronischen Entzündungen und anderen Bereichen (alles in den Beiträgen und Studien dargestellt).Jetzt aber alle damit verbundenen Krankheiten aufzuzählen – nunja – vermutlich können sich viele denken, warum ich mir diese Arbeit ersparen möchte. Es sind sehr viele.

Etwas schrecke ich immer noch vor diesem Mittel zurück (ich verwende es dennoch derzeit persönlich). Wahrscheinlich aufgrund meiner typisch deutschen Grundhaltung: Wo ist der Haken? Bisher konnte ich jedoch einfach keinen finden.

Damit wäre das Thema Lactoferrin fürs Erste abgeschlossen. Bezogen auf unsere moderne Welt, die doch recht häufig mit dysfunktionalen Immunsystemen, Darmbeschwerden oder einem beeinträchtigten Eisenhaushalt zu kämpfen scheint, muss ich meinen Hut vor diesem kleinen Molekül-Cluster ziehen. Weitere Gedankengänge (wenn man es denn möchte) wären beispielsweise Lactoferrin mit einem Protokoll oder Substrat zu kombinieren, das effektiv gegen Schwermetall-Belastungen wirken kann [1]. Zu weit möchte ich mich hier jedoch nicht aus dem Fenster lehnen und auch darauf hinweisen, dass bei solchen potentiellen Geistesblitzen immer Wechselwirkungen beachtet werden müssen.

Denkt bitte immer daran: NEM sind keine Entschuldigung für eine unausgeglichene Lebensweise. Sie können im Kontext unterstützend helfen.

Denkt bitte immer daran: First – do no harm!

Moritz von der Borch

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