Stress in Zentrum von Krankheit und Gesundheit – Biopsyche

Buchserie: Stress im Zentrum von Krankheit und Gesundheit – Biopsyche

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Teil 4 der Buchserie

Anmerkung vorweg:

Dieser Artikel ist Teil eines Buchs. Verwendete Bilder und Textpassagen müssen nicht dem Original entsprechen. Interessant und amüsant ist der Text aber wohl hoffentlich trotzdem! Viel Spaß!

Emotionale Stress-Erlebnisse

Dass Stress eine starke Verbindung zu unserer emotionalen Welt hat ist wohl kein großes Geheimnis. Stehen wir unter Druck, brodeln auch gerne mal unsere Gefühle. Doch ist das alles? Die menschliche Psyche ist ein wunderbarer Ort, um ständig „wieso, weshalb, warum…“ zu fragen. Der rationalen Messbarkeit der allgemein anerkannten Wissenschaft ist unsere un-be-greifbare Psyche doch mit gutem Grund gerne mal ein Dorn im Auge. Folgendes Kapitel läutet mit einem ersten Blick auf unser Umfeld eine kleine Einführung in die menschliche Psyche ein. Viel Spaß beim Lesen!

Noch eine Anmerkung: Erfreulicherweise durfte ich die Leute vom Layout (die derzeit dem Buch den finalen Touch verleihen) auf den September 2019 mit dem Abschluss der Arbeiten festlegen. Erste Versionen des Formats waren bereits sehr erfreulich für einen doch tendenziell überkritischen Autor. Diese intensive und faszinierend begeisternde Arbeit endlich mit Freunden, Fremden und Bekannten teilen zu dürfen ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl aus Dankbarkeit und reiner Freude. Habt also noch bitte ein wenig Geduld. Danke!

Schaltkreise in Schlachtformation: Emotionen und Stress

In einer Diskothek greift ein angetrunkener Mann nach einer Frau. Während er fröhlich und ermutigt durch den Alkohol sich impulsiv dazu entschlossen hatte, die attraktive junge Dame nach ihrer Telefonnummer zu fragen, reagiert sie völlig unerwartet. Erschrocken durch die etwas ungewollt unsanfte Berührung ihrer Schulter durch den unbekannten Bewerber, dreht sich die Frau um und hinterlässt unter einem erschrockenen Aufschrei einen roten Handabdruck auf der Wange des übermütigen Singles. Wenige Sekunden später realisiert sie, was geschehen war und kniet sich neben den verdutzten Mann. Sie hatte es mit der Angst zu tun bekommen und instinktiv völlig “unüberlegt“ reagiert. Glücklicherweise endete alles in einem Happy End und beide saßen etwas später abseits an der Bar. Als Entschuldigung wurde der Mann von der Frau auf einen Drink eingeladen – auch wenn er nur ein Wasser wollte.

Unüberlegt war ihre Reaktion jedoch vermutlich nicht. Abhängig von dem was wir erlebt, gelernt und interpretiert haben, nehmen wir uns und unser Umfeld wahr. Gleichen Erlebnisse einer bereits erlebten Situation, oder befinden wir uns in einem Zustand erhöhter Aufregung oder Stimulierung, beeinflusst das stark unsere Einstellung und unsere Art und Weise, instinktiv zu reagieren. Vielleicht hatte die Frau bereits unschöne Erfahrungen mit Männern gemacht, oder hatte vor kurzem durch eine Erzählung von einer Freundin von etwas Ähnlichem gehört. Vielleicht war sie auch nur unter der lauten Musik und den grell bunt flimmernden Lichtern in diesem Moment durch Reize überflutet gewesen und nicht in der Lage, ruhig zu handeln. Gründe mag es viele geben, doch eigentlich war genau das eine akute Stressreaktion und wie so oft verbunden mit Emotionen. Stress und Emotionen sind auf eine unglaubliche Art und Weise miteinander verbunden.

Quelle: New Scientist (2007, July 20): Man with tiny brain shocks doctors. Web, abgerufen von www.newscientist.com/article/dn12301-man-with-tiny-brain-shocks-doctors/

Unter Stress fühlen und reagieren wir anders. Wir nehmen Dinge anders wahr und sind “nicht wir selbst“. Wir reagieren impulsiv und blitzschnell – gerne mal schneller als uns lieb ist – und sagen oder tun Dinge, die wir möglicherweise später bereuen. Während viele bei einem solchen Thema mit den Schultern zucken würden, ist die Verbindung zwischen Emotionen und wahrgenommenen Impulsen aus unserem Umfeld doch das Unglaublichste, was man sich vorstellen kann. Je mehr man über dieses Thema nachdenkt, desto schwerer wird es greifbar. Wie ist ein neuronaler Sinnesimpuls (Hören, Riechen und so weiter) dazu in der Lage, durch eine Veränderung von Polaritäten (positive und negative Ladungen) in unserem Gehirn die exakt angepasste Reaktion auf eine Situation auszulösen, die aus einer Ansammlung an Erinnerungen, Assoziationen und Interpretationen unseres Unterbewusstseins resultierend aus unserer Sicht “sinnvoll“ zu sein scheint? Alles in einer solchen Geschwindigkeit, dass wir nicht einmal in der Lage sind, durch unser Denken die Situation (rechtzeitig) richtig zu erfassen und diesen Prozess bewusst zu erleben? Das Ganze geht sogar noch weiter.

Stehen wir unter Stress, arbeitet auch unser Bewusstsein anders. Je nach Person tendieren wir mehr dazu, Misstrauen, Wut, Angst und ähnliche Gefühle zu empfinden. Unsere Schaltkreise stehen in Schlachtformation, während wir uns selbst rational erklären, warum unser Handeln gerechtfertigt ist.  Später wälzen wir uns vielleicht im Bett hin und her und ärgern uns wieder – dieses Mal allerdings über uns selbst. Was uns zuvor absolut logisch oder richtig erschien, war auf einmal dumm oder dreist. Was wissen wir über solche Verhaltensweisen und wo hört unser Verständnis auf?

Im Kapitel über die Anatomie der Aufregung waren wir bereits dem limbischen System und seinen Verbindungen zu anderen Schaltsystemen auf der Spur gewesen. Unter physiologischen Umständen existiert ein Feedback-System unter anderem zwischen der Amygdala und dem frontalen Kortex, bevor eine Information zum ausführenden Organ – dem Hypothalamus – weitergeleitet wird.1,2 So, als würde ein überlegter (bewusster) Berater die Situation vor der Entscheidung noch einmal in Ruhe betrachten, die Gedanken noch einmal kreisen lassen, bevor sie angenommen werden. Impulsive Reaktionen sind in einem solchen Zustand selten. Wir lassen uns ein paar mehr Atemzüge Zeit, bis wir handeln. Werden wir aber mit einer knurrenden Bestie konfrontiert, die mit gefletschten Zähnen auf uns zukommt, wäre diese Bedenkzeit fatal. In einer solchen Situation wäre jede Sekunde mit den eigenen Beinen in den Händen möglicherweise lebensrettend.

Stehen wir unter Strom, verzichten wir auf unseren frontalen Ratgeber und übertragen Signale direkt zum Hypothalamus. In einer solchen Situation wird das aus der Hose gezogene Handy zu einem Revolver und jede “ausgesprochene Mücke“ zum wild gewordenen Elefanten. Impulsiv ergreifen wir die Flucht, versuchen die Bedrohung zu überwältigen, oder erstarren unter Schock. Solche kognitiven Abkürzungen sind der Verhaltensforschung schon seit langer Zeit bekannt und im Grunde genommen sind diese sehr alten Mechanismen einer der Gründe, warum wir heutzutage vor dem Rechner und nicht auf einer Liste ausgestorbener Arten stehen. In unserer modernen Welt lebt unser Gehirn jedoch kaum noch in wirklicher Ruhe und das hat viele Gründe.

Überall auf dem Planeten werden wir tagtäglich verängstigt durch politische Entscheidungen, Hungersnöte und zahllose Informationen über internationale Grausamkeiten. Menschen arbeiten zum Teil für einen Hungerlohn, als Sklaven oder in gesundheitswidrigen Umfeldern, ohne etwas verändern zu wollen oder zu können (Schichtarbeit als Beispiel). Die Angst ist zu groß, finanziell oder gesellschaftlich in Schwierigkeiten zu kommen. Man ist froh, wenn der Monat sicher überstanden ist. Soziale Interaktionen sind selten noch natürlich oder selbstverständlich und viele Menschen verbringen mehr Zeit damit zu überlegen, was der andere meinen könnte und nicht gesagt hat, während andere versuchen, mit Alkohol und anderen Drogen das Umfeld leichter erträglich zu machen. Uns wird von Kindesbeinen an durch Eltern, Fernsehen oder Gesellschaft oft beigebracht, vorsichtig zu sein und Vertrauen nicht frei zu geben. Naivität gleicht immer mehr einem Schimpfwort. Nicht zuletzt sagt ein sehr altes Sprichwort, dass der Mensch des Menschen Wolf sei. Kommunikation findet weltweit in irrsinniger Geschwindigkeit statt und Städte erstrahlen selbst nachts wie am hellerlichten Tag. Um die Sterne zu sehen, müssen wir inzwischen weite Strecken mit dem Auto fahren. U-Bahnen sind gefüllt mit Menschen, die kaum ein Wort miteinander wechseln. Jeder sitzt in gebeugter Haltung vor einem viereckigen Gerät, das in Sekundenschnelle alle Informationen und Reize bieten kann, die sich sein “Meister“ wünscht.

Ist das alles übertrieben beschrieben? Eigentlich stellt es nur einen kleinen Teil unserer heutigen Kultur dar. Wie sieht es mit dem Gesundheitssystem aus? Warum verschließen wir eigentlich unsere Türen und ist der Presslufthammer auf der Baustelle nebenan vielleicht genauso störend für uns wie ein täglich missmutiger Chef? Warum entecken immer mehr Menschen Yoga und Meditation für sich? Vor einigen Jahrzehnten war niemandem das Wort Burnout ein Begriff gewesen. Inzwischen ist es nicht nur eine weltweite Berühmtheit – es wird sogar teilweise noch immer als Tabu-Thema behandelt. Man hat Angst, Pause zu machen! Nachrichtensender und Werbeplakate müssen immer wieder auf grellere und sensationsstärkere Mittel zurückgreifen, um die Aufmerksamkeit der Massen zu erreichen, während es uns immer schwerer fällt, nur für wenige Stunden konzentriert einen Text zu lesen. Der Markt tendiert immer stärker zu Videos auf Medien wie Facebook, um durchschlagendere Erfolge zu haben. Wie sollten wir in einer solchen Junkfeed-Gesellschaft noch einen Moment der Konzentration, Ruhe, Gelassenheit und Präsenz erreichen?

Die Liste ist noch immer lange nicht zu Ende. Hoffentlich hat sie aber ein wenig mehr verdeutlicht, wie sehr wir heutzutage dazu in der Lage sind, uns buchstäblich mental zu missbrauchen. Vor allem aber ist die Liste eine hervorragende Vorbereitung für den nächsten größeren Text-Abschnitt. Werden wir chronisch zu Aufmerksamkeit gezwungen, von Informationen überflutet und sind gleichzeitig unfähig, diesem Zustand auf Dauer zu entfliehen, leben wir in Eintönigkeit und Angst oder Misstrauen, verharren wir mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in einem chronischen Zustand gelernter Hilflosigkeit. Von allen Stress-Sorten, die bisher beschrieben wurden, ist sie womöglich die gefährlichste Sorte.

Im Anschluss beginnt das Kapitel: Der wohl schlimmste Zustand, seit es Stress gibt

Schaltkreise in Schlachtformation: Emotionen und Stress

1 Reppucci CJ, Petrovich GD. Organization of connections between the amygdala, medial prefrontal cortex, and lateral hypothalamus: a single and double retrograde tracing study in rats. Brain Struct Funct. 2016;221(6):2937-62.

2 Buijs RM, Van eden CG. The integration of stress by the hypothalamus, amygdala and prefrontal cortex: balance between the autonomic nervous system and the neuroendocrine system. Prog Brain Res. 2000;126:117-32.

Moritz von der Borch

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Das ist aber nicht mein Ansatz! Mir ist vor allem auch wichtig, möglichst viele Menschen zu erreichen, die von den hier gesammelten Informationen, von der Kenntnis über wissenschaftlich neu gefundene Resultate und ihre Konsequenzen profitieren könnten.

Damit die Informationen weiterhin für euch frei zugänglich bleiben können, ohne dass ihr alle fünf Sekunden von Pop-Ups belästigt werdet, gehe ich andere Wege.
Beispiel: Produkte, die ich persönlich empfehlen kann, werden hier mit Vorteil für jeden und Nachteil für keinen angeboten.
Das heißt: Wenn ihr über meine Site einkauft – also, wenn ihr z. B. eine Empfehlung auf meiner Site anklickt (Bücher, Brille, etc..) und auf der dann neu geöffneten Website anschließend in Kontinuität einkauft (dabei muss es sich  n i c h t  um das von mir empfohlene Produkt handeln..), profitiere ich und das ganz ohne irgendeinen Nachteil für euch.
Als Faustregel zum sog. Trinkgeld gilt in Deutschland:
„Man sollte, muss aber nicht. Einigkeit besteht aber darüber, dass es für gute Leistung auch ein gutes Trinkgeld geben sollte.“

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