Stress im Zentrum von Krankheit und Gesundheit

Buchserie: Stress im Zentrum von Krankheit und Gesundheit

Das Leben ist ziemlich lebendig!

Teil eins der Buchserie

Anmerkung vorweg:

Die letzten Jahre waren eine faszinierende Achterbahn! Was Anfang September 2017 mit einem Beitrag über Stress und den Menschen begann, endet nun wohl sehr bald 2019 in einem „Artikel mit Überlänge“ bzw. Buch. Informationen über Emotionen, Reaktionen, Adaptionen und weitere Ionen waren faszinierend zu lesen und doch gerne etwas abseits der allgemein akzeptierten Norm. Was ist das Bewusstsein? Wie geht Wahrnehmung? Was ist Stress und warum sollte das Leben ziemlich lebendig sein?

Nicht immer weiß man, was man für ein Buch kauft, bevor man nicht zuvor einen Blick hineinwerfen konnte. Man probiert die Schreibe des Autors, zieht ein wenig am roten Faden und versucht in etwa einzuschätzen, wohin die Reise gehen soll. Damit das möglich ist, werden einige Ausschnitte aus dem Buch online zum Lesen angeboten, bevor es dann nun hoffentlich bald zu den finalen Schritten kommt. Dabei ist es gar nicht so einfach, Segmente aus einem ganzen Buch herauszunehmen. So oder so wünsche ich aber auf jeden Fall von ganzem Herzen viel Spaß beim Lesen!

Stress im Zentrum von Krankheit und Gesundheit

Studies in stress disorders and MDD [Major Depressive Disorders] have identified profound physiological and behavioral changes that signal maladaptive and even damaging responses to stress, including chronic HPA axis hyperactivity (Pariante and Lightman, 2008), altered monoamine neurotransmission (van Praag, 2004), loss of neuronal trophic support (Duman and Monteggia, 2006), and regional brain atrophy (Drevets, 2000,Sheline, 2000). Notably, MDD is associated with systemic inflammation of poorly understood origin (Berk, Williams et al., 2013,Maes, 1995) and displays complex, bidirectional risk factor relations with a range of disorders such as cardiovascular disease (Rudisch and Nemeroff, 2003), diabetes(Mezuk et al., 2008,Nouwen et al., 2010,Pan et al., 2010), dementia (Aznar and Knudsen, 2011,Byers and Yaffe, 2011), and even periodontitis (Johannsen et al., 2006). The mechanisms that link severe stress with depression and poor health, and those linking depression with both neurological and systemic diseases, however, remain poorly understood. [Østergaard L, Jørgensen MB, Knudsen GM. Low on energy? An energy supply-demand perspective on stress and depression. Neurosci Biobehav Rev. 2018; 94:248-270.]

Hans Selye, ein ungarisch-kanadischer Mediziner, Biochemiker und Hormonforscher, hatte vor einigen Jahrzehnten die medizinische Forschung geschockt! 1 Stress schien seinen Arbeiten zufolge tatsächlich einen Effekt auf unsere Gesundheit zu haben. Stehen wir einem Stressor gegenüber, fangen die unzähligen Zellen und Synapsen in unserem Körper sofort an, sich auf Gefahr einzustellen. Hormone werden ausgeschüttet, Neurotransmitter entfachen blitzartig Ströme aus Nervenimpulsen und unsere Organe gehen auf Abwehrstation. Insbesondere zeigte Selye‘s Arbeit, dass wir neben einer Art kurz- und langfristiger Adaption, bestehend aus einer Alarm- und einer Resistenzphase, vor allem dann zu erschöpfen schienen, wenn wir zu lange unter Belastungen standen.

Apart from the many specific defence reactions (e.g., formation of specific antibodies, adaptation to cold, habituation to morphine, hypertrophy of much-used muscle groups) there is an integrated syndrome of closely interrelated adaptive reactions to non-specific stress itself; this has been termed the „General Adaptation Syndromes“ (G.A.S.). It develops in three stages: the “ Alarm Reaction “ (A.R.), the Stage of Resistance, and the Stage of Exhaustion. Most of the characteristic manifestations of the A.R. (tissue catabolism, hypoglycaemia, gastro-intestinal erosions, discharge of secretory granules from the adrenal cortex, haemoconcentration, etc.) disappear or are actually reversed during the stage of resistance, but reappear in the stage of exhaustion. This suggests that the ability of living organisms to adapt themselves to changes in their surroundings, their adaptability or „adaptation energy,“ is a finite quantity. [Selye H. Stress and the general adaptation syndrome. Br Med J. 1950;1(4667):1383-92.]

Während unser Körper und generell lebende Organismen stets versuchen, sich an jegliche Situation anzupassen, ist chronische Belastung wie Gift für ihn. Wird eine Erholungsphase nicht erreicht, brennen wir langsam aus. Wieder und wieder wurde an Menschen und Tieren diese Theorie nachgewiesen und stolz wurde wissenschaftlich verkündet, was seit Jahrtausenden in alten medizinischen Texten bereits verewigt stand:

Stress und konsekutive Reaktionen des Körpers haben einen zentralen Einfluss auf unsere Gesundheit.

Diese Aussage war deswegen ein Stein der Meilen in der westlichen Welt, da sie eine erste feste Brücke zwischen der Psyche und dem Körper spannen konnte. Was wir erleben und wie wir darüber denken – unsere Emotionen und unser Bewusstsein – konnten das Herz schneller schlagen lassen, die Blase entleeren und das Immunsystem beeinflussen. Emotionen und Wahrnehmung spielten eine Rolle! Der Mensch schien adaptiver zu sein, als bis dahin angenommen. Es schien also, als wären wir doch keine Roboter oder Maschinen, auch wenn im 20ten Jahrhundert genau diese Sichtweise eine dominante Stellung eingenommen hatte2.

Seit den Arbeiten von Selye ist einige Zeit vergangen und inzwischen gibt es unzählige Studien zum Thema Stress. Mäusen und anderen Versuchstieren wurden alle möglichen unterschiedlichen Arten von Gräueltaten angetan, damit wir besser die Anatomie der Aufregung und Biochemie der Belastung begreifen konnten. Insbesondere chronischer Stress wurde zu einem prägenden Begriff der Neuzeit. Diabetes mellitus Typ 2, Autoimmunerkrankungen und immunologische Dysfunktionen generell, Organversagen und neurodegenerative Erkrankungen waren ebenso von Stress betroffen, wie die heutige Todesursache Nummer eins: Herz-Kreislauf-Erkrankungen.3

Yoga, Meditation, Mindfullness, Mindset, Biohacking, Schlafoptimierung, PNI (Psychoneuroimmunologie), Psychologie und vieles mehr sind einige der kulturellen Entwicklungen, die in der heutigen Zeit mehr und mehr in den Vordergrund geraten. Während wir früher in der Natur gelebt haben, bezahlen wir inzwischen teures Geld, um Zeit für einen Spaziergang im Gebirge oder an einem Meeresstrand zu verdienen. Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zur Unterdrückung von Depression oder zur Beeinflussung von Stimmungsschwankungen werden seit Jahrzehnten immer populärer, während Bauern auf ihrem Feld im 19ten Jahrhundert vermutlich nicht einmal darüber nachgedacht hatten, was ihre Herzfrequenzvariabilität, ihr Biorhythmus und andere bekannte Gesundheitsmaßstäbe der heutigen Zeit eigentlich sind. Das heißt natürlich nicht, dass Fortschritt schlecht ist. Doch scheint es nicht so, dass wir weniger, sondern eher anders krank werden. Viele Erfindungen wie Penicillin haben unzähligen Menschen das Leben gerettet – doch was ist mit NAFL (Nicht Alkoholischer Fettleber), Neurodegeneration, bestimmten Krebsarten, Diabetes mellitus und so weiter? Hektik und Zeitdruck sind nicht neu, aber sehr modern. Reizüberflutungen und taghelle Nächte sind keine Besonderheit. Aufnahmen aus aller Welt zeigen, wie sehr wir inzwischen die Nacht zum Tag machen können.

Fortschritt ist nicht aufzuhalten und darf nicht aufgehalten werden. Das ist wichtig zu betonen! Keinesfalls sollten wir alles stehen und liegen lassen und zurück in die Steinzeit wandern. Seitdem 2017 der Nobelpreis der Medizin Wissenschaftlern verliehen wurde, die sich der Erforschung unserer “inneren Uhr“ (circadianen Rhythmik) gewidment hatten, geraten jedoch Themen wie künstliches Licht und Organuhren immer mehr weltweit in den Fokus. Warum ist das aber so und was kann uns das über Stress erklären? Alles zu seiner Zeit. Je weiter wir in diesem Buch voranschreiten, desto mehr wird sich ein Bild aus verschiedenen Puzzlestücken ergeben. Angefangen mit anatomischen Strukturen, biochemischen Signalen, über emotionale und subjektive Wahrnehmung, bis hin zu biophysikalischen Erklärungsansätzen für das menschliche Bewusstsein und unbewusste Kommunikation, die über die unwillkürliche Körpersprache hinausgeht. Fangen wir also an, nehmen Skalpell und Stift zur Hand und tauchen ein in eine wunderbare Welt aus Strukturen und Stressreaktionen!

(Im Anschluss beginnt das erste große Kapitel: Anatomie der Aufregung)

Quellenangaben:

1 Neurosci Biobehav Rev. 2018 Aug 23: Low on Energy? An energy supply-demand perspective on stress and depression. Østergaard L, Jørgensen MB, Knudsen GM.

2 British Medical Journal London Saturday June 17 1950: Stress and the general adaptation syndrome*. Hans S.

3 BMC Syst Biol. 2010; 4: 22: So what do we really mean when we say that systems biology is holistic? Derek G.

4 Malays J Med Sci. 2008 Oct; 15(4): 9–18.: Life Event, Stress and Illness. Mohd. Razali S.

Moritz von der Borch

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Beispiel: Produkte, die ich persönlich empfehlen kann, werden hier mit Vorteil für jeden und Nachteil für keinen angeboten.
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3 Kommentare zu “Stress im Zentrum von Krankheit und Gesundheit


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