Wirkstoff Serie: Mutter Natur ist abgefahren. Episode II: Jod – Überflüssig wie ein Kropf?

Wirkstoff Serie: Mutter Natur ist abgefahren. Episode II: Jod – Überflüssig wie ein Kropf?

Jod hat wichtige Aufgaben in unserem Körper und unsere Neuzeit kann zu einer Unterversorgung führen mit Symptomen, die selten mit Jod in Verbindung gebracht werden. Hohe Dosen an Jod (13-45mg) können helfen, sollten jedoch im Kontext gesehen werden.

Wenn ich 100 Menschen fragen würde, ob sie irgendwelche Supplemente nehmen würden (Medikamente frage ich lieber nicht nach), bin ich mir relativ sicher, dass ich in etwa 80-90 Zusagen hätte. Meine Meinung zu Supplementen ist etwas zwiegespalten. Ein Teil von mir sagt mir, dass ich meinen Bedarf an Nährstoffen für einen gut funktionierenden Körper über eine gute Ernährung decken kann. Der andere Teil schreit auf und zeigt mit wütendem Zeigefinger auf die leeren Böden ohne Nährstoffe, auf denen unsere Nahrung verdeiht, auf die schlechte Haltung von Tieren, auf EMF-Belastung (ja Handies, Computer usw. sind eine enorme Belastung für uns. Dazu wird es bald mehr geben) und die ganzen neuzeitlichen Abnormalitäten, die uns von jeglichem Ursprung wegreißen. Ganz zu schweigen von den tollen Gegenständen, die wir heutzutage „Nahrung“ nennen. Supplemente sind eine Unterstützung aus meiner Sicht, die einem zeitweise helfen können. Je mehr wir uns von unserem natürlichen Umfeld entfernen, an das wir uns seit Ewigkeit anpassen konnten, umso mehr sind wir beinahe genötigt, nach der „Wunderpille“ zu greifen.

Und ich muss dieser Stimme bei manchen Sachen tatsächlich Recht geben. Vor allem wenn man manchen Menschen Mangelerscheinungen direkt ansieht, wenn man sie auf der Straße sieht.

Kaum jemand wird vermutlich mit dem Mineral arbeiten, welches das heutige Thema ist. Dabei ist es in unserer Geschichte extrem oft als Heilmittel verwendet worden (oder Antiseptikum). Es hat eine große Liste an wichtigen Aufgaben im Körper und viele sind heutzutage angewiesen auf mehr als das, was wir aus unserer Nahrung bekommen. Nicht zuletzt, weil wir nicht mehr essen, was wir früher jede Woche auf dem Teller hatten. Legen wir mal los:

Legen wir mal los …

Das Grobe:

Zuerst einmal gibt es natürlich die empfohlenen Mengen, die man am Tag zu sich nehmen sollte. Laut der DGE sind 180-200 Mikrogramm pro Tag völlig ausreichend für den durchschnittlichen Bürger. Manche unserer Lebensmittel sind sogar extra mit Jod angereichert, damit wir diesen Richtwert auch schön brav erreichen können. Was das angeht gibt es auch ein paar Informationen über die Bioverfügbarkeit…[1] und die Tatsache, dass sich viele Menschen heutzutage gerne einmal salzarm ernähren.

Auch Ärzte sagen gerne, dass sie in den letzten Jahren nur von einer Mangelerscheinung in Entwicklungsländern erfahren hätten. Stimmt – kommt ja auch auf die Messlatte an – und natürlich auf die Art und Weise der Testung. Die regulären Empfehlungen reichen auch wunderbar aus, um Krankheitsbilder wie einen Kropf zu verhindern. Ist der Wert aber optimal oder ausreichend, um eine gut funktionierende Schilddrüse zu sichern? Wie viele Menschen kennt ihr, die Schilddrüsenunterfunktion oder Hashimoto diagnostiziert bekommen haben? Oder kennt ihr jemanden, der vielleicht Schilddrüsenhormone nimmt wie Thyroxin?

Jod Unterversorgung KANN ein Grund sein, muss aber nicht der Grund sein. Jod kann sich auch negativ auswirken – dazu aber später mehr. Nicht nur bekommen wir nicht genug Jod – uns wird gerne auch gesagt, dass Jod unserer Schilddrüse schadet.

Werfen wir noch einmal kurz einen Blick nach oben, wissen wir, dass Jod in der Neuzeit zur Mangelware geworden ist. Warum haben wir eine Epidemie an schlaffen Schilddrüsen bis hin zu Morbus Basedow und anderen Krankheiten, die mit der Schilddrüse in Verbindung stehen?

Wofür steht eigentlich die Zahl bei den Schilddrüsenhormonen (T1-T4)? T1 hat ein Jod-Molekül an sich gebunden, T2 hat zwei Jod-Moleküle an sich gebunden, T3 hat…

Könnte das vielleicht bedeuten, dass unsere Schilddrüse für die Produktion von Hormonen Jod benötigt? Könnte das vielleicht bedeuten, dass mit einer Unterversorgung an Jod viele Schilddrüsenerkrankungen und deren Behandlung nicht richtig laufen wie sie sollten? Könnte sein… [2,3]

Wenn wir jetzt noch Google aufschlagen und uns ansehen, wo überall Fluorid, Bromid und Chlorid enthalten ist – und nehmt euch da mal die Zeit und schmeißt Google an – wird’s noch spannender! Zusammen mit Jod gehören alle vier Stoffe zu den Halogenen. Die für den Körper als toxisch angesehenen Kameraden prügeln sich im Körper gerne mal mit Jod um die besten Plätze (Rezeptoren) [4,5,6]. Wusstet ihr, dass das Wasser beispielsweise in den USA an vielen Stellen mit Fluorid versetzt ist? Nicht ohne Grund gibt es deswegen inzwischen Seiten wie findaspring.com.

Das Feine:

Jod wurde 1811 erstmals von Bernard Courtois zufällig bei der Herstellung von Schießpulver entdeckt und schließlich 1813 von zwei franzsösischen Wissenschaftlern (Nicolas Clément und Joseph Louis Gay-Lussac) auf seine Eigenschaften untersucht und benannt.

Das für uns notwendige Mineral ist uns also schon eine Weile bekannt. Es ist aber nicht nur wichtig für die Schilddrüse. Auch andere Teile in unserem Körper absorbieren und benötigen Jod. Zum Beispiel:

  • Brust
  • Speicheldrüsen
  • Pankreas
  • Rückenmarksflüssigkeit
  • Haut
  • Magen
  • Gehirn
  • Thymus
  • Ovarien

und so weiter. Ein Mangel kann sich durch einen trockenen Mund, trockene Haut, reduzierte Aufmerksamkeit und erniedrigten IQ (oha), Fibrose, Fibromyalgie, Narbengewebe….[5].

Okay, bevor ich jetzt jeden Leser dazu bringe, seinen Kopf in einen Topf Lugol’sche Lösung (gute Kombi aus Jod und Jodid – unser Gewebe braucht beides) zu stecken, möchte ich hier aber kurz eine Kontroverse ansprechen, die ich weiter oben bereits erwähnt hatte:

Personen mit Hashimoto’s verbesserten ihre Erkrankung durch eine Jod-Restriktion[7]. Jod kann die Prävalenz an Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse verstärken[8,9,10].

Wie jetzt. Ist Jod jetzt doch schlecht für die Schilddrüse? Nein – aber wie so oft ist das Ganze etwas komplexer, wenn wir mal wieder versuchen, die Natur irgendwie für unseren modernen Lebensstil zu biegen. Der Körper braucht Selen [11] um einer möglichen Autoimmunreaktion durch größere Mengen an Jod entgegen zu wirken. Beide Stoffe arbeiten zusammen. Anbei sei angemerkt, dass die Bevölkerung Japans täglich zwischen 13,5 – 45mg an Jod zu sich geführt hat[11]. Wieviel Mikrogramm sind das?

Jod hat viele wichtige positive Effekte auf den Körper (Metabolismus, Energie, gesunde Haare, Nägel und Zähne etc.) – was ich aber auf alle Fälle noch erwähnen möchte, bevor ich nach dem Kontext diesen Post beende ist der Effekt auf unser reproduktives System und auf unseren Nachwuchs:

Nicht nur erhöhen wir massiv die Gefahr einer Fehlgeburt und Unfruchtbarkeit (PCOS steht mit Jod in Verbindung[12]) durch eine Jod-Insuffizienz, unser Kind kann an neuro-kognitiven Einschränkungen bis hin zu Kretinismus nach der Geburt leiden[13]. Auch die Fähigkeit zu sprechen, zu hören oder sich normal zu bewegen können beeinträchtigt werden. Jod ist während der Schwangerschaft in erhöhter Dosis relevant, vor allem bei selbst stillenden Müttern.

 

Hier noch ein tolles Video zu diesem Thema (auf Englisch):

Der Kontext:

Halogene, ausgelaugte Böden und viele weitere Faktoren unserer modernen Welt können für eine mögliche Unterversorgung mit einem wichtigen Mineral wie Jod sorgen. Die tägliche empfohlene Dosis schützt uns zwar vor einem Kropf, reicht aber anscheinend nicht aus. Es gibt Völker auf diesem Kontinent, die vergleichsweise gewaltige Mengen an Jod zu sich nehmen, ohne Schwierigkeiten damit zu haben. Selen ist ein wichtiger Cofaktor und eine alleinige Zufuhr an viel Jod kann ein mutiger Schritt in die völlig falsche Richtung sein. Mutter Natur hatte das wie so oft schon bereits gewusst und Nahrungsmittel mit einer guten Jod UND Selenversorgung für uns vorbereitet. Esst mehr Fisch oder andere Meeresfrüchte aus dem Ozean (nicht unbedingt aus der Aquakultur). Schmeckt auch gleich besser als Lugol’sche Lösung (nicht, dass ich das schon mal probiert hätte)!

Empfehlung

Schaut mal rein!
 

Moritz von der Borch

Gründer
 

Referenzen:

[1] Pitman, JA. Changing normal values for thyroidal radioiodine uptake. NEJM.
[2] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK28/
[3] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16131334
[4] http://europepmc.org/abstract/med/1087230
[5] http://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2013/06/29/iodine-deficiency-risk.aspx
[6] http://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2009/09/05/another-poison-hiding-in-your-environment.aspx
[7] http://www.eymj.org/Synapse/Data/PDFData/0069YMJ/ymj-44-227.pdf
[8] http://www.eje-online.org/content/149/2/103.abstract
[9] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17199437
[10] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15387978
[11] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3204293/
[12] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3832324/
[13] http://press.endocrine.org/doi/full/10.1210/jcem.86.6.7611

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