Calcium, Phosphat, Fleisch und Sonne

Calcium, Phosphat, Fleisch und Sonne

Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

Anmerkung: Da dieser Artikel zu Beginn doch etwas ausholt, sollte an dieser Stelle erklärt werden, worum es eigentlich geht. Seit einiger Zeit kursiert eine persistierende Diskussion durch das Netz hinsichtlich der Frage, ob rotes Fleisch schädlich oder gesund sei. Unter anderem wird sich dabei auf eine Sialinsäure namens Neu5gc bezogen. Während die zur Argumentation herangezogenen Studien und die Theorie dahinter etwas wackelig erscheinen, gibt es jedoch andere – vielleicht weitaus interessantere – Gründe, die nicht nur erklären können, warum rotes Fleisch unter Umständen schädlich wäre (unabhängig von Haltung und ähnlichen bekannten Themen), sondern grundsätzlich viel über den Körper verraten und unter anderem auch erklären, warum Vitamin D(3) als Supplement in diesem Kontext auch seine Fallstricke haben kann.

Mikronährstoff-Management

Je moderner wir werden, desto fortschrittlicher ist unsere Wissenschaft. Standen wir gestern noch vor einem Abgrund, sind wir heute erfolgreich einen Schritt weiter! Investitionen in Produktentwicklungen dauern meist viele Jahre (5-20+ Jahre) und kosten entsprechend mehrere hunderttausend bis Millionen Euro. Oft ist man sich nicht sicher, ob ein Produkt effektiv ist, oder ob es nicht doch (langfristige) Schäden mit sich bringen könnte. Zeigen sich jedoch negative Auswirkungen, wird oft eher Geld in Werbung und favorisierende Forschungsergebnisse investiert, statt ein Produkt einzustellen und Fehler offen zu diskutieren. Gründe gibt es genug – Einbruch von Glaubwürdigkeit auf dem Markt und immense finanzielle Verluste wären hier zwei leicht nachvollziehbare Faktoren. Ein gutes Beispiel für ein solches Vorgehen ist vermutlich die Östrogen-Industrie. Während zu Beginn des 20sten Jahrhunderts bereits viele Östrogen-ähnlichen Substanzen und toxische Effekte bekannt waren, versuchte man doch durch Östrogen-Pillen ein Medikament für eine verbesserte Fruchtbarkeit der Frau herzustellen. Heraus kam die Anti-Baby-Pille – das bis heute am meisten verwendete Verhütungsmittel. Ein voller Erfolg also! Bedenken bezüglich Nebenwirkungen wurden durch finanzierte Gegenstudien unter den akademischen Teppich gekehrt. Sex “ohne Reue” lässt sich außerdem gut vermarkten. Das Thema scheint aber – mit Blick auf die Überschriften dieses Artikels – ein anderes zu sein.

Nicht nur die große (“böse”) Industrie macht Fehler. Ständig sind Menschen auf der ganzen Welt am forschen, suchen und erfinden. Produkte werden entwickelt, Theorien entworfen und beworben. Auch wenn oft das Wohl der Menschheit mindestens zu Beginn im Zentrum stand, ist Irrtum doch keine Seltenheit. Fehler und Sackgassen sind ein wichtiger Bestandteil der Forschung und verliert Wissenschaft ihren verspielten Hang zu Experimenten, wird sie rigide und dogmatisch. Oft wird – je mehr wir selektiv und reduktionistisch auf das Leben blicken wollen – die Simplizität wichtigster kleinster Bestandteile verzerrt, oder passend zu neuen Theorien verändert. Smog bzw. Abgase sind beispielsweise voller Stickstoffoxid und Kohlenstoffmonoxid. Beide Stoffe sind simpel in ihrer Zusammensetzung und vermutlich würde jeder heute zustimmen, wenn behauptet wird, dass Smog nicht unbedingt etwas Gesundes ist. Als jedoch Stickstoffoxid seinen Weg in die Industrie fand (u.a. durch Viagra oder NO-Booster), bekam selbst Smog durch so manche Studien Rückenwind. Kinder, die von der Stadt aufs Land zogen und Asthma entwickelten, wurden zum Teil als Beweis für die Relevanz von Smog-Bestandteilen für gesunde Atemwege herangezogen. Da mag man die Augenbrauen hochziehen – doch weder ist dieser Umgang mit Daten veraltet, noch ungewöhnlich.

Ein weiteres Thema, das sich heutzutage auf einige aktuelle Diskussionen übertragen lässt, ist der Haushalt des Körpers mit zwei sehr simplen, jedoch außerordentlich wichtigen Mikronährstoffen: Calcium und Phosphat.

Steife Muskeln, Rigor Mortis und mitochondriale Atmung

Calcium – in Form von Calciumphosphat-Kristallen – wird für die Entstehung von Arteriosklerose verantwortlich gemacht. Empfohlen wird meist, Calcium zu reduzieren – ohne dass auf das Phosphat in der eben erwähnten Bindung eingegangen wird. Unter anderem stammt diese Empfehlung auch von der Annahme, dass durch eine calciumarme Ernährung Zellen weniger angeregt werden. Das ist jedoch so nicht richtig – braucht aber eine kurze Erklärung. Calcium ist wichtig. Obwohl viele Menschen vermutlich bei diesem Mikronährstoff als erstes an Knochen denken, sind Zellen und Zellerregung doch an sich fast noch wichtigere Themen dieses kleinen Minerals. Ein Wechsel der Mineralstoffe intrazellulär, weg von Magnesium und Kalium und hin zu Natrium und Calcium ist an sich ein grundlegender Mechanismus jeglicher zellulärer Erregung und damit ein Grundbaustein für jegliche Reaktion von Zellen auf einen potentiellen Stressor [1].

Fehlt Calcium im Blut reagiert unser Körper reaktiv, indem zum Beispiel durch das Parathormon (PTH) der Nebenschilddrüse Calcium aus unseren Knochen mobilisiert wird. Alleine das sollte bereits darauf hinweisen, dass eine calciumarme Ernährung langfristig zu Schäden führen kann – und damit ist nicht nur Osteoporose gemeint. Eine Unfähigkeit auf Belastung adäquat mit einer angemessenen Menge an Energie reagieren zu können, führt zusätzlich zu entzündlichen Schäden, Zellsterben, Zerstörung und Degeneration. Calcium wird aus Reserven wie den Knochen via PTH aufgefüllt und das ist auch gut so! Steht eine Zelle unter Stress und kann darauf nicht reagieren, verschwindet der Stress nicht einfach. Nimmt man einem Haus seinen Feuermelder, verschwindet nicht einfach der Brand. Ein wenig erinnern diese Geschichte an die Empfehlung von Salz-Restriktionen zur Senkung des Blutdrucks. Interessant ist, dass eine ausreichende Zufuhr an Calcium an sich für einen regulierten Blutdruck sorgt – Salz hemmt sogar eher einen erhöhten Blutdruck durch eine reduzierte Aktivität des körpereigenen Aldosterons [2].

Calcium und Phosphat stehen in enger Wechselwirkung zueinander. Unter anderem führt Phosphat zu einer Erhöhung des intrazellulären Calciums durch eine erhöhte Produktion entzündlicher Signalstoffe (dazu gleich mehr) und eine Veränderung der Wasserstruktur um Zellen [3] . Eine konstante Erregung der Zellen führt jedoch zu potentiellem Schaden und dieser Schaden ist zum Teil weitreichender, als man auf den ersten Blick meinen mag. Warum gibt es jedoch zu diesem Thema nur so wenig Literatur?

Allgemein wurde angenommen, dass Phosphat die Arbeit von Muskeln ermöglichte. Da ATP (Adenosin-Tri-Phosphat) als Energiewährung beschrieben wurde, nahm man an, dass Phosphat eine Art Energiestoff für Muskel- bzw. Zell-Kontraktionen wäre. Als in den 1970er Jahren festgestellt wurde, dass Phosphat erst nach der Kontraktion des Muskels metabolisiert wurde und dies einem solchen Gedanken eigentlich widersprach, kam es jedoch zu keinem Umdenken. Gleichzeitig konnte jedoch reliabel gezeigt werden, dass die Gabe von ATP die Totenstarre (Rigor Mortis) in Gewebe auflösen konnte. Irgendetwas passte hier nicht in das Modell, für das wir uns kulturell entschieden hatten. ATP schien mehr zu sein, als die Summe seiner Bestandteile.

Early studies of muscle chemistry and contraction found that adding ATP to a viscous solution of proteins extracted from muscle reduced its viscosity, and also that the loss of ATP from muscle caused its hardening, as in rigor mortis; if the pH wasn’t too acidic, the dead muscle would contract as the ATP content decreased. Szent-Gyorgyi found that a muscle hardened by rigor mortis became soft again when ATP was added.

Rigor mortis is an extreme state of fatigue, or energy depletion. Early muscle studies described the phenomenon of “fatigue contracture,” in which the muscle, when it reaches the point at which it stops responding to stimulation, is maximally contracted (this has also been called delayed relaxation). Ischemic contracture, in the absence of blood circulation, occurs when the muscle’s glycogen is depleted, so that ATP can no longer be produced anaerobically (Kingsley, et al., 1991). The delayed relaxation of hypothyroid muscle is another situation in which it is clear that ATP is required for relaxation. (In the Achilles tendon reflex test, the relaxation rate is visibly slowed in hypothyroidism.) A delayed T wave in the electrocardiogram, and the diastolic contracture of the failing heart show the same process of delayed relaxation. Supplementing the active thyroid hormone, T3, can quickly restore the normal rate of relaxation, and its beneficial effects have been demonstrated in heart failure (Pingitore, et al., 2008; Wang, et al., 2006; Pantos, et al., 2007; Galli, et al., 2008).

Ray Peat: Phosphate, activation, and aging. http://raypeat.com/articles/articles/phosphate-activation-aging.shtml

ATP und anorganisches Phosphat (Anmerkung: Anorganisch heißt hier lediglich, dass Phosphat nicht an ein organisches Molekül mit Kohlenstoffatomen gebunden ist) sind sich hier also nicht ähnlich – vielmehr zeigte sich, dass ein erhöhter Phosphat-Wert zu einem gegenteiligen Effekt führte. Eine reduktionistische Sicht (Einzelteile erklären die Funktion einer Struktur) lieferte hier keine Antwort. Phosphat sorgte für eine Reduktion mitochondrialer Arbeit (Energie- bzw. “ATP”-Produktion) und einer vermehrten Zerstörung (Lipidperoxidation) der Zellen [4,5].  Die Arbeit von Dr. Gilbert N. Ling würde dabei sicherlich anschaulicher erklären, wie und warum durch Interaktionen mit zellulärem Wasser eine (Über-)Stimulierung der Zelle, oxidative Zerstörung und ähnliche Prozesse durch Phosphat entstehen können – und warum ATP einen gegenteiligen Effekt bewirkt. Wie gut, dass Dr. Ling gleichzeitig darstellen konnte, dass ATP keine Energiewährung von Zellen ist. Mehr Informationen hierzu findet man natürlich im Internet, oder aber auf Deutsch erklärt auf den letzten Seiten des Buchs “Die Geschichte vom zerbrechlichen Menschen“.

Much of the calcium dissolved in the blood is in the form of a complex of calcium and bicarbonate, with a single positive charge (Hughes, et al., 1984). Failure to consider this complexed form of calcium leads to errors in measuring the amount of calcium in the blood, and in interpreting its physiological effects, including its intracellular behavior. Hyperventilation can cause cramping of skeletal muscles, constriction of blood vessels, and excitation of platelets and other cells; the removal of carbon dioxide from the blood lowers the carbonic acid, changing the state and function of calcium. Hyperventilation increases phosphate and parathyroid hormone, and decreases calcium (Krapf, et al., 1992).

Osteopontin ist ein entzündliches Zytokin (ein Signalmolekül), welches unter anderem in Knochen für den Dekalzifizierungs-Prozess und in Arterien für die so sehr gefürchtete “Verkalkung” verantwortlich ist. Im Gegensatz zu Calcium ist jedoch Phosphat der Mineralstoff, der dieses entzündliche Signalmolekül aktiviert [6,7] und seit einigen Jahrzehnten ist bekannt, dass freies Calcium unter metabolischer Belastung sich nicht nur in Arterien, sondern auch anderen Geweben (wie Organen) ablagern kann. Eine hohe Zufuhr an Phosphat, ein hoher Serum-Phosphat-Spiegel oder eine vermehrte Ausschüttung an PTH durch die Nebenschilddrüse erhöht den Osteopontin-Spiegel im Körper. Aromatase, ein Enzym zur Synthese von Östrogen, ist Phosphat-sensitiv [8].

Genau diese Entdeckungen erklären jedoch (im Gegensatz zu Neu5gc) unter anderem, warum rotes Fleisch schädlich sein kann und warum Vitamin D3 als Supplement seinen Kontext braucht. Rotes Fleisch ist extrem reich an Phosphat und hat so gut wie gar kein Calcium. Vitamin D erhöht die Aufnahme von Calcium und Phosphat durch den Darm. Meist wird die Vermeidung von calciumhaltigen Nahrungsmitteln bei einer hohen Vitamin-D Dosierung empfohlen.

More generally, increased dietary phosphate increases the activity of an important regulatory enzyme, protein kinase B, which promotes organ growth. A high phosphate diet increases the growth of liver (Xu, et al., 2008) and lung (Jin, et al., 2007), and promotes the growth of lung cancer (Jin, et al., 2009). An extreme reduction of phosphate in the diet wouldn’t be appropriate, however, because a phosphate deficiency stimulates cells to increase the phosphate transporter, increasing the cellular uptake of phosphate, with an effect similar to the dietary excess of phosphate, i.e., promotion of lung cancer (Xu, et al., 2010). The optimum dietary amount of phosphate, and its balance with other minerals, hasn’t been determined.

Ray Peat: Phosphate, activation, and aging. http://raypeat.com/articles/articles/phosphate-activation-aging.shtml

Neu5gc, rotes Fleisch, Daten und Skepsis

Es ist nicht so, dass Neu5gc absolut irrelevant ist. Sicherlich ist die Behauptung interessant, dass wir vor mehreren Millionen Jahren diese Sialinsäure via Mutationen und Anpassungen aus unserem Körper verbannt zu haben scheinen und sie uns nur noch durch Nahrungsmittel zuführen können. Niemand war vor 3 Millionen Jahren anwesend und kann den Grund dafür wirklich überprüfen. Auch entsprechende Daten sind unter Umständen etwas durch den Zahn der Zeit angenagt worden. Wenn jedoch die Neu5gc-Geschichte wirklich ein solches Thema für unsere Gesundheit sein soll, stellen sich direkt ein paar Fragen, die diese – auf Evolution und Adaption basierende – Theorie mit ihren eigenen Mitteln konfrontiert:

Wenn wir vor 3 Millionen Jahren einen (vielleicht notwendigen) Wechsel von Neu5gc zu Neu5ac machen mussten – warum haben wir bis heute dann keine weiteren Mutationen durchgeführt oder uns auf eine andere Art und Weise binnen 3 Millionen Jahren an diesen Stressor adaptiert, der doch recht zentral für uns sein musste. Fleisch – oder das Erlegen eines Wildtiers – war schließlich etwas Wertvolles für eine sehr lange Zeit. Außerdem muss man unweigerlich an Stämme wie die Masai (bzw. Massai) denken, die sich seit vielen Jahren primär von Fleisch, Blut und Milch ernähren – alle drei Lebensmittel sind voll von Neu5gc. Masai werden oft als kräftiges Volk beschrieben und widersprechen ein wenig dem “Gamechanger-Spaß”, den wir uns momentan erlauben. Sicherlich sind auch bei solchen Völkern Erkrankungen zu finden – doch eine starke Prävalenz von entzündlichen oder Autoimmun-Krankheiten, die man direkt mit Neu5gc in Verbindung bringen könnte, ist nicht etwas, wofür dieses Volk bekannt ist.  Entgegen allgemeiner Meinung ist Milch ein reichhaltiger Calcium-Lieferant. Insbesondere von glücklichen Kühen. Ein Gegenargument wäre hier allerdings auch, dass die Masai vermutlich weniger unter einer konstanten Reizüberflutung leiden und sie verbringen wohl mehr als genug Zeit in der Sonne und mit ihrer Gemeinde. Neu5gc als isolierten Marker zu betrachten, wäre doch etwas selektiv.

Doch nicht nur solche vielleicht eher grobschlächtigen Fragen sind auffällig. Nochmal sollte hier betont werden, dass das Thema “Neu5gc” durchaus interessant sein könnte – jedoch nicht erklärt, warum rotes Fleisch in irgendeiner Art und Weise schädlich wäre. Calcium und Phosphat – zwei sehr simple Stoffe – dagegen sehr wohl!

We also discovered an unusual nongenetic consequence of CMAH loss (Fig. 6.2). Although Neu5Gc was reported in human cancers and fetal samples (suggesting an “oncofetal” antigen) (Malykh et al., 2001), the CMAH mutation damages the enzyme’s active site (Chou et al., 1998; Irie et al., 1998), which cannot be repaired. Also, a mouse with a human-like Cmah mutation showed no endogenous Neu5Gc (Hedlund et al., 2007). Absent an alternate pathway for Neu5Gc synthesis, the sugar must enter from external sources. Indeed, cultured human cells express Neu5Gc because of uptake and metabolic incorporation from animal products in the medium (e.g., FCS) (Tangvoranuntakul et al., 2003; Bardor et al., 2005). This process involves macropinocytosis, delivery to the lysosome, and export of free Neu5Gc to the cytosol via the sialin transporter (Bardor et al., 2005). Once Neu5Gc reaches the human cytosol, it is a molecular “Trojan horse.” Differing by only one oxygen atom from endogenous Neu5Ac and having been eliminated only recently in evolutionary time, Neu5Gc is handled by human biochemical pathways as if it were native. Indeed, one can feed Neu5Gc to human cells and make them look like NHH cells (Bardor et al., 2005; Nguyen et al., 2005). [https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK210017/]

Die Beobachtung, dass Krebszellen Neu5gc an ihren Zellwänden exprimieren ist eine weitere Beobachtung, die von Interesse ist. Es wäre spannend zu beobachten, ob eine Wiederherstellung der metabolen Rate von Krebszellen (weg vom Warburg-Effekt und hin zu aerober Respiration) einen solchen Zustand wieder beseitigt. Da jedoch bis Dato Krebs noch als genetisch und DNA-abhängige Krankheit gilt, sind solche Studien vermutlich weniger populär. Würde eine solche Studie jedoch eine Veränderung hier erkennen, könnte man vielleicht mehr über diese Sialinsäure erfahren. Neu5gc jedoch durch diese Entdeckung verantwortlich für Krebs zu machen oder als krebserregend zu bezeichnen wäre möglicherweise vorschnell. Dabei muss man nur an die oben erwähnten Calciumphosphat-Kristalle denken oder die lange Geschichte des Cholesterins. Cholesterin wurde für die Entstehung von unterschiedlichen vaskulären Erkrankungen verantwortlich gemacht, da es am Ort der Entstehung bei Autopsien und Untersuchungen/Operationen gefunden wurde. Cholesterin hat jedoch eher eine schützende und restrukturierende Aufgabe. Aus diesem Grund wurde nun langsam im Laufe der Zeit der Satz bekannt, dass hier die Feuerwehr für die Entstehung eines Feuers verantwortlich gemacht wird, da sie am Ort des Brandes zu finden war.

Vor allem aber die Bezeichnung von Neu5gc als trojanisches Pferd sollte einen aufhorchen lassen. Neu5ac und Neu5gc unterscheiden sich durch eine OH-Gruppe (Hydroxylgruppe). In einer der ersten Studien zu Neu5gc wurde behauptet, dass das Fehlen der OH-Gruppe durch das Immunsystem “übersehen” wird und es so zu immunologischen Erkrankungen kommen kann[9]. Hier könnte man doch etwas anecken. Ein Enzym verliert beispielsweise seine Funktion durch eine marginale Veränderung seiner Struktur (nicht durch den Verlust von ganzen Molekülen). Wären Enzyme Menschen würde das bedeuten, dass Enzyme ihre Funktionen verändern, wenn sie ihren Kopf etwas zur Seite lehnen – sie müssten dafür nicht einmal einen Arm oder etwas Ähnliches verlieren. Diese feinen Veränderungen werden wahrgenommen und induzieren dadurch unterschiedliche reaktive Kaskaden und Prozesse im Körper. Die Behauptung, dass das Fehlen einer OH-Gruppe vom Immunsystem übersehen wird ist so fernab jeglicher… ist vermutlich eine etwas reduktionistische Herangehensweise und entspricht ein wenig einer mechanischen Sichtweise von lebenden Organismen.

Ein Ausschnitt aus der Methodik, weist jedoch auch auf ein paar andere Probleme der oben genannten und oft zitierten Studie hin:

Sixty-two different types of food products (raw meat and three types of cooked meats, including baked, boiled, and fried foods, were sampled) were purchased from multiple local supermarkets, lyophilized, and pulverized. Samples were treated with 0.1 M NaOH at 37 °C for 30 min for the removal of O-acetyl groups and then neutralized. Acid hydrolysis of sialic acids from the underlying glycoconjugate was performed with 2 M acetic acid at 80 °C for 3 h. The samples were cooled to room temperature and centrifuged at 14,000 × g for 10 min, and the supernatant was filtered through a Millipore Ultra Centrifugal Filter. Aliquots of nonhydrolyzed samples were adjusted to 2 M acetic acid but not heated. The samples were then incubated with the two different derivatizing conditions (below) and analyzed by HPLC as described below.

Fleisch-Quellen, Bearbeitung und die spätere Verabreichung (durch Soja-Produkte) sollte Mäuse möglicherweise auch so schon ausreichend unter Stress setzen. Das ist aber natürlich nur reine Spekulation.

Sialinsäuren sind ein spannendes Thema und vielleicht werden hier im Laufe der Zeit weitere Entdeckungen gemacht, die uns helfen können, proaktiv dem Menschen und seinem Umfeld zu helfen. Vielleicht ist die hier geäußerte Skepsis auch nicht haltbar und basiert auf einem oder mehreren Irrtümern des Autors. Schließlich kann so etwas stets der Fall sein. Bis jetzt erscheinen jedoch Calcium und Phosphat hier eher verantwortlich für den potentiellen Schaden, für den rotes Fleisch verantwortlich gemacht wird (unabhängig von anderen Effekten unmoralischer und bestialischer Tierhaltung, die für Schnäppchen im Supermarkt sorgen). Warum wurde aber Vitamin D erwähnt?

Vitamin D, Coimbra und die Angst vor Calcium

Unter anderem lernt ein Heilpraktiker bei seiner Vorbereitung auf die Prüfung durch einen Amtsarzt, dass Vitamin D und PTH die Aufnahme unterschiedlicher Mineralstoffe durch den Darm beeinflussen. Während PTH die Aufnahme von Calcium verbessert (und die Rückresorption durch die Nieren), wird gleichzeitig die Ausscheidung von Phosphat durch die Nieren erhöht. Vitamin D verbessert die Aufnahme von Calcium und Phosphat durch den Darm.

Wie bereits oben erwähnt, sind Phosphat und ein hoher PTH-Wert schädlich für den Körper – unter anderem durch Osteopontin, weitere entzündliche Signalstoffe, eine Reduktion mitochondrialer Energieproduktion und eine potentielle Überstimulation von Zellen. Dass eine erhöhte Sekretion von PTH bereits dazu führt, dass vermehrt Phosphat vom Körper ausgeschieden wird, legt nahe, dass der Körper hier von selbst versucht, ein Gleichgewicht wieder herzustellen. Da Vitamin D als Supplement jedoch den Körper beide Mineralstoffe besser aufnehmen lässt und bei Verfahren wie dem Coimbra-Protokoll zu einer calciumarmen Ernährung geraten wird, kann es hier möglicherweise zu Problemen kommen.

Viele Menschen ernähren sich durch unterschiedliche kulinarische Gewohnheiten meist calciumarm. Ungekochte grüne Salate werden meist durch ihre rigide Struktur nicht gut von einem bereits vorgeschädigten Darm aufgenommen. Milch wird aufgrund von Unverträglichkeit, Qualität und Zusätzen vermieden und Früchte werden oft aufgrund des darin enthaltenen Zuckers verteufelt. Zusätzlich sorgen mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Omega-6 und Omega-3, pflanzliche und chemische Giftstoffe und Verunreinigungen für eine weitere systemische Belastung des Körpers. Fleisch und Fleischprodukte sind jedoch weltweit nicht nur leicht zu erhalten, sondern auch extrem beliebt. Durch eine verstärkte orale Einnahme von Vitamin D kann es dadurch bei Menschen auf Dauer und durch eine Verschiebung des Gleichgewichts von Calcium und Phosphat zu einer Verschlechterung des körperlichen Zustandes kommen. Entsprechende Beobachtungen wurden auch gemacht, müssen aber nicht passieren – schließlich wird zeitgleich an anderen Schrauben gedreht. Der schützende Effekt von Vitamin D auf den Körper – unter anderem durch seine Hemmung des PTHs – scheint hier weitgehend vor einem größeren Schaden zu schützen. Studien zu Vitamin D, Heliotherapie und der Behandlung unterschiedlichster Krankheiten gibt es wie Sonne am Meer. Im Gegensatz zu großen Institutionen wie der Schul(d)medizin, bewegt sich die “Populärwissenschaft” extrem flexibel und schnell. Das ermöglicht Innovation – und das ist gut! – jedoch auch potentielle Risiken. Das Coimbra-Protokoll scheint bis heute einer großen Menge an Patienten helfen können. Das ist wundervoll und sollte unterstützt werden! Insbesondere scheinen Menschen mit einem überaktiven Immunsystem von Verfahren wie dem Coimbra-Protokoll zu profitieren. Das passt sogar auf eine gewisse Art und Weise zur der Geschichte mit Neu5gc – bei der diese Sialinsäure zu autoaggressiven Zuständen zu führen schien. Beide Themen haben mit einem Balanceakt zwischen Calcium und Phosphat zu tun. Das ist jedoch nur eine Beobachtung und muss keine Relevanz per se besitzen. Gleichzeitig sollte es einen jedoch etwas vorsichtig stimmen, wenn eine Therapie primär immunsuppressiv oder immunstimulierend wirkt. Grundlegend positiv wirkende Behandlungen haben oft eine Adaptogen-ähnliche Eigenschaft – sie regulieren und unterstützen den Körper dabei, sich selbst zu helfen. Hier könnte man auch vermuten, dass Sonnenlicht – im Gegensatz zu oralen Vitamin D – Supplementen – einer solchen Maxime entspricht.

Interessant wäre es jedoch auf jeden Fall, Probanden nach einer hochdosierten Vitamin-D-Kur auf ihr körpereigenes Verhältnis von Phosphat zu Calcium zu untersuchen – insbesondere bei einer Vermeidung von calciumhaltigen Nahrungsmitteln. Auch ist bekannt, dass eine orale Zufuhr eines Vitamin D-Supplements etwas anders metabolisiert wird, als durch die Haut und durch Sonnenschein (hier interagiert eine Cholesterin-Form mit Sonnenstrahlen und wandelt sich dadurch über mehrere Prozesse in Vitamin D um). Abgesehen davon sollte man vielleicht die Sonne nicht nur auf ihr Vitamin reduzieren – aber wer hat schon Zeit für Urlaub?

Die Maxime:”First, do no harm!” ist oft schwer mit dem Wunsch von Anwendbarkeit zu vereinbaren. Selbst wenn neue Verfahren vielversprechend erscheinen, ist es sinnvoll, mögliche Folgen und einen potentiell bestehenden Kontext zu diskutieren. Neu5gc ist nicht eine sinnlose Entdeckung und das Coimbra-Protokoll ist nicht schlecht oder schädlich. Je mehr man jedoch über solche Themen diskutiert, desto mehr kommt man zu weiterführenden Ideen und Verbesserungen einer bestehenden Theorie oder Behandlung. Ist die potentielle Gefahr einer Hyperphosphatämie bekannt und wird sie entsprechend frühzeitig erkannt, kann man im Anschluss entsprechend handeln.

Aus diesem Grund noch ein paar anwendbare Zitate von der hier wiederholt zitierten Quelle von Dr. Raymond Peat. Seine Arbeit ist gut recherchiert und schlüssig. Seine Bücher (Generative Energy // Body, Mind and tissue) sind sehr zu empfehlen.

Another important effect of carbon dioxide is in the regulation of both calcium and phosphate, by increasing the absorption and retention of calcium (Canzanello, et al., 1995), and by increasing the excretion of phosphate. Increased carbon dioxide (as dissolved gas) and bicarbonate (as sodium bicarbonate) both increase the excretion of phosphate in the urine, even in the absence of the parathyroid hormone. Below the normal level of serum bicarbonate, reabsorption of phosphate by the kidneys is greatly increased (Jehle, et al., 1999). Acetazolamide increases the body’s retention of carbon dioxide, and increases the amount of phosphate excreted in the urine.

Phosphate toxicity offers some interesting insights into stress and aging, helping to explain the protective effects of carbon dioxide, thyroid hormone, sugar, niacinamide, and calcium. It also suggests that other natural substances used as food additives should be investigated more thoroughly. Excessive citric acid, for example, might activate dormant cancer cells (Havard, et al., 2011), and has been associated with malignancy (Blüml, et al., 2011). Nutritional research has hardly begun to investigate the optimal ratios of minerals, fats, amino acids, and other things in foods, and how they interact with the natural toxicants, antinutrients, and hormone disrupters in many organisms used for food.

  • Kohlenstoffdioxid (CO2) im Körper kann durch die Einnahme von Backpulver (Kaiser Natron – besser ohne Zusätze) verbessert werden
  • Das wiederholte Einatmen der Eigenluft (a la Plastiktüte etc.), Atemtechniken, Zucker und zu einem geringen Maße Mineralwasser erhöhen den CO2-Gehalt im Körper
  • Mineralstoffe aus Pflanzen werden durch das Aufweichen der Membranen (Kochen, dünsten, etc.) deutlich besser aufgenommen. Das betrifft auch Calcium. Interessanterweise wird von Vertretern der Neu5gc-These empfohlen, Fleisch mit grünem Gemüse zu essen.
  • Infrarotes Licht hat einen positiven Effekt auf mitochondriale Respiration (wie der Entkopplung von NO von Cytochrom C Oxidase). Etwas Zeit vor einer entsprechenden Lampe zu verbringen ist gerne mal eine gute Idee

Quellenangaben:

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11057831
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10818080
  3. http://raypeat.com/articles/articles/phosphate-activation-aging.shtml
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2727388
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2608032
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3128439/
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22640692
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2546553
  9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4299224/

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