Ernährung Serie: Von Kalorien zur Quantenphysik – Teil III: Fiese Früchtchen

Sind Früchte gesund oder ungesund?

Fruchtzucker

Früchte gelten als gesund. Oft wird der Gehalt an Zucker in Früchten jedoch unterschätzt. Insbesondere Säfte können einen starken Einfluss auf uns haben. Abgesehen davon ist nicht jeder Zucker gleich…

Das Grobe:

„Fruchtzucker“ klingt natürlich und harmlos. Insbesondere in der heutigen Zeit. Zucker wird in immer mehr Büchern, Videos oder Artikeln als eine Gefahr angesehen. Gut, dass es Obst gibt. Schließlich ist das ja gesund und gut für mich, oder nicht?

Fruktose kommt in seiner Reinform auf unserer Welt nur sehr sehr selten vor und ist meistens verbunden mit einem anderen Zucker. Saccharose (Scc) (auch Haushaltszucker genannt) ist ein Zweifachzucker und besteht zu einem Teil aus Glukose (Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker). Scc wird aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr hergestellt und ist die häufigste natürlich vorkommende Fruchtzucker-Verbindung.

Wird Scc von uns aufgenommen, werden vom Darm beide Moleküle voneinander getrennt ins Blut zur Leber transportiert. Dort werden beide Stoffe unterschiedlich verstoffwechselt. Dazu aber später mehr.

Die Nahrungsmittelindustrie liebt reinen Fruchtzucker. Zwar ist er etwas teurer als normaler Zucker, hat aber eine deutlich stärkere Süße. Man könnte also ein Nahrungsmittel mit weniger Kosten und Energiedichte stärker süßen – klasse! Ob wir das jetzt auch machen…?

In Amerika wird inzwischen fruktosereicher Maissirup (High Fructose Corn Syrup, HFCS) zum Süßen verwendet. Der ist noch günstiger zu produzieren und besteht zu ähnlichen Verhältnissen wie Haushaltszucker aus freier Fruktose/Glukose (55:45//42:58).

Beides wird häufig in süßen Erfrischungsgetränken, Eiscreme, Milchprodukten wie Früchtequark, Joghurt, Marmelade, verschiedenen Desserts und anderen Süßigkeiten hinzugefügt. Schließlich bleibt Fruchtzucker selbst bei sehr kalten Temperaturen süß und kann bei Getränken wie Kakao bei reduziertem Fettgehalt immer noch den Geschmack gleich behalten. Die Industrie hat noch mehr Gründe, Fruchtzucker einzusetzen (Viskosität, Karamellisierung, Feuchthaltemittel usw.) [1-2].

Das Feine:

Fruktose wird vom Darm (besonders bei größeren Mengen wie Fruchtsäften) nicht immer vollständig aufgenommen[3-5]. Das kann dazu führen, dass Teile des Fruchtzuckers in tiefere Bereiche des Darms vordringen kann. Dort wird der Zucker von den Darmbakterien fermentiert, die sich durch das Festmahl fröhlich vermehren können. Und das müssen nicht immer die „Guten“ sein [2].

Wir wissen noch nicht ausreichend über die Darmflora, um genau sagen zu können, welche Darmbakterien gut, oder schlecht sind. Dafür gibt es bis jetzt zu viele widersprüchliche wissenschaftliche Aussagen. Was wir jedoch wissen, ist dass unsere Darmflora uns auf extrem vielen Ebenen beeinflusst (Verhalten, Vorlieben, Gewicht, chronische Krankheiten, Nährstoffresorbtion uvw.). Allein deswegen ist es inzwischen ein explodierender Markt, obwohl wir kaum gesicherte Aussagen bis dato haben. Wovon wir bis jetzt ausgehen können (wollen), ist dass eine geringe Anzahl oder eine geringe Vielfalt an Darmbakterien mit negativen Folgen in Verbindung gebracht werden kann. Und, dass es „gute und schlechte“ Darmbakterien gibt.

Zurück zur Frucht. Früchte kommen in ihrer normalen Form gerne mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen und Nährstoffdichte. Persönlich kenne ich keinen Baum, an dem Orangensaft wächst. Was passiert, wenn eine hohe Menge an Fruktose in unser System gelangt? Nun, neben der Möglichkeit von Durchfall, Blähungen und anderen Ergebnissen von gebundenem Wasser und Fermentierung im Darm, hat Fruktose ein kleines Geheimnis: Während Glukose in unserem Körper durch Insulin kontrolliert wird, hat Fruktose kaum Einfluss auf unsere Insulinausschüttung. Tolle Nachricht für Diabetiker! Dachte man zumindest für eine Weile – bis klar wurde, dass damit Menschen mehr geschadet wurde, als ihnen zu helfen. Schließlich ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel toxisch für unseren Körper. Es gibt ein Meer an Studien, die Fruktose mit Insulinresistenz (durch chronisch entzündliche Prozesse) und Nicht-alkoholischer Fettleber [NAFL) durch erhöhte VLDL-Cholesterin-Produktion (schlechtes Cholesterin) in der Leber in Verbindung bringen [6-8].

Zusätzlich bewirkt (bei gesunden Menschen) eine Insulinausschüttung durch eine Beeinflussung der Hormone Leptin und Ghrelin ein Sättigungssignal. Wir konsumieren also ohne Sättigung zu stimulieren. Aha! Wobei – wer isst schon, weil er hungrig ist…?

Weiter im Text. Fruktose wird über den Darm aufgenommen und zur Leber transportiert. Bevor Fruktose in den Blutkreislauf gelassen werden kann, muss es in der Leber zuerst in Glukose umgewandelt werden. Sollte die Kapazität der Leber aus verschiedenen Gründen nicht ausreichen, um die anschwemmende Fruktose in Glukose umzuwandeln, muss so viel Fruktose wie möglich in Form von Fetten zwischengelagert werden. Teile davon werden als VLDL-Cholesterin in den Blutkreislauf geschickt, um die gewonnene Energie an andere Zellen weiter zu leiten[7]. Dass Zucker vom Körper mit Leichtigkeit in Fette umgewandelt werden können, sollte inzwischen bekannt sein. Dass jedoch Fruchtzucker mit Vorliebe zu einer Verfettung der Leber führen kann, sollte einen darüber nachdenken lassen, ob Fruchtsäfte oder eine „Bananen-Diät“ langfristig eine gute Idee ist. Natürlich gibt es wunderschöne Studien mit Tieren und Menschen, die zeigen, wie einen ein hoher Konsum an Früchten und Fruchtsäften mit gewaltigen Schritten Richtung metabolisches Syndrom schieben können.

Übersicht über Effekte eines langfristigen Fruktose-Überkonsums:

– 100% der metabolischen Belastung durch Fruktose liegt auf der Leber

– Fruktose wird bei Überangebot (was bei der Leber schnell der Fall sein kann) direkt über VLDL-Cholesterin in den Blutkreislauf geschickt

– Eine Verfettung der Leber und die damit verbundenen entzündlichen Prozesse haben einen starken Effekt auf NAFL und eine damit verbundene Insulinresistenz.

– Die Verstoffwechselung von Fruktose führt im Vergleich zu anderen Zuckerarten zu einer erhöhten Produktion von Nebenprodukten, wie Harnsäure (was u.a. mit Bluthochdruckin Verbindung steht[9]).

– Glukose stimuliert bei gesunden Menschen Leptin und reduziert Ghrelin. Fruktose hat keinen vergleichbaren Effekt und kann Leptin sogar negativ beeinflussen, was zu einem Übermaß an Nahrungsaufnahme aufgrund fehlendem Sättigungsgefühl führen kann.

– (Frucht)Zucker hat vermutlich negative Effekte auf die Darmflora [10] und damit verbundene Insulinresistenz.

Wer mehr Studien über Fruktose lesen möchte, findet hier über 100 Research-Paper [11]. Wie immer sollte man alles mit Bedacht lesen und Hintergründe hinterfragen.

Der Kontext:

Früchte sind der Tod der Menschheit!

Natürlich nicht. Jedoch sollte man daran denken, dass Fruchtsäfte, nur weil sie 10 Äpfel enthalten, nicht genau so gesund sind. Ganz im Gegenteil sogar. Wussten wir das schon immer? Nein. Und es klang gut. Hätte man mich als Jugendlichen gefragt, ob Obstsäfte gesund sind, hätte ich sicherlich genickt. Mutter Natur hat sich vermutlich etwas dabei gedacht, keine Apfelsaftbäume wachsen zu lassen. Stattdessen haben Früchte weitaus weniger Zucker als Säfte, sind gerne mal mit wertvollen Ballaststoffen versorgt und enthalten eine gute Zahl an Nährstoffen, von denen wir nicht einmal alle kennen. Insbesondere die Überladung mit Fruktose und ein höheres Verhältnis von Fruktose zu Glukose scheinen für viele negative Effekte verantwortlich zu sein.

Sind Früchte also nun gesunde Snacks? Auch bei chronischen Krankheiten? Was ist die Verbindung zur Darmflora? Macht es Sinn, mitten im Winter in Deutschland eine Banane aus Chile zu verspeisen? Warum, wenn Fruchtzucker so „schlecht“ ist, gibt es dieses süße Toxin in der freien Natur?

Diese Fragen zu beantworten, würden den Blog sprengen. Bei der ganzen Obstbelagerung hatte ich mir immer eine Frage gestellt. Warum, wenn es so schlecht ist, gibt es denn dann Obst? Bis dahin möchte ich sagen:

Wer glaub, besser als Mutter Natur zu sein, hat schon bereits verloren.

Und das meine ich mitnichten esoterisch. Insulinresistenz kommt in der Natur selber bei Tieren bewusst und zyklisch vor. Interessant…?

Moritz von der Borch

Gründer

Daumen hoch!

Das ist es mir wert!

Mehr davon!

In Vorfreude auf Fortsetzung!

Warum Trinkgeld?

All die Informationen, die ich – übrigens neben meiner normalen Berufstätigkeit – auf dieser Seite für euch aufbereite und zur Verfügung stelle, sind immer das Ergebnis von sehr arbeitsintensiven Tagen oder gar Wochen -> für Recherche (Studien, Interviews,..), Formulieren, Gegenlesen, etc… Alternativ könnte ich mein so erarbeitetes Wissen natürlich auch (..und lukrativer..) ausschließlich in meiner Eigenschaft als Personal Consultant in Einzel-Beratungen weitergeben.

Das ist aber nicht mein Ansatz! Mir ist vor allem auch wichtig, möglichst viele Menschen zu erreichen, die von den hier gesammelten Informationen, von der Kenntnis über wissenschaftlich neu gefundene Resultate und ihre Konsequenzen profitieren könnten.

Damit die Informationen weiterhin für euch frei zugänglich bleiben können, ohne dass ihr alle fünf Sekunden von Pop-Ups belästigt werdet, gehe ich andere Wege.
Beispiel: Produkte, die ich persönlich empfehlen kann, werden hier mit Vorteil für jeden und Nachteil für keinen angeboten.
Das heißt: Wenn ihr über meine Site einkauft – also, wenn ihr z. B. eine Empfehlung auf meiner Site anklickt (Bücher, Brille, etc..) und auf der dann neu geöffneten Website anschließend in Kontinuität einkauft (dabei muss es sich  n i c h t  um das von mir empfohlene Produkt handeln..), profitiere ich und das ganz ohne irgendeinen Nachteil für euch.
Als Faustregel zum sog. Trinkgeld gilt in Deutschland:
„Man sollte, muss aber nicht. Einigkeit besteht aber darüber, dass es für gute Leistung auch ein gutes Trinkgeld geben sollte.“

Warum Trinkgeld:

All die Informationen, die ich auf dieser Seite zur Verfügung stelle sind eine Heidenarbeit. Viele Beiträge haben zum Teil eine Bearbeitungszeit von 20-30 Stunden, wenn man die ganze Recherche, die Formulierung, das Gegenlesen und so weiter hinzuzählt. Das ist schon bald eine ganze Arbeitswoche neben meiner normalen Arbeit. Natürlich könnte ich auch alles für mich behalten und nur in persönlichen Beratungen Informationen preisgeben. Ist das aber der Sinn hinter dem Ganzen? Wie vielen Menschen werden dadurch im Vergleich erreicht?

Um weiterhin die Möglichkeit zu haben, Informationen frei zugänglich zu machen und euch nicht alle fünf Sekunden mit Pop-Ups zu bespringen, gehe ich andere Wege. Produkte die ich empfehlen kann, biete ich mit Vorteil für jeden an. Wenn ihr über diese Seite bei Amazon einkauft, profitiere ich, ohne euch zu schaden.

Das Trinkgeld ist wie im Restaurant. Wurde man gut bedient, zeigt man seine Anerkennung, richtig?

Referenzen:

[1] http://www.cornnaturally.com/Economics-of-HFCS/Why-Use-HFCS

[2] WORM N et al., 2013: Menschen Stopfleber. Die verhamloste Volkskrankheit Fettleber. Das größte Risiko für Diabetes und Herzinfarkt. Systemmed Verlag Lünen, 2. Auflage, S.105 ff.

[3] https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pfd_2009/12_09/EU12_694_700.qxd.pdf

[4] http://adc.bmj.com/content/59/8/735.short

[5] http://ajcn.nutrition.org/content/58/5/748S.short

[6] http://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2010/01/02/highfructose-corn-syrup-alters-human-metabolism.aspx

[7] https://nutritionandmetabolism.biomedcentral.com/articles/10.1186/1743-7075-2-5

[8] http://hyper.ahajournals.org/content/10/5/512.short

[9] http://www.greenmedinfo.com/article/higher-sugar-sweetened-beverage-consumption-associated-higher-serum-uric-acid

[10] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17988776

[11] http://www.greenmedinfo.com/toxic-ingredient/fructose

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*